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Die Bezeichnung Soziales Drama bezieht sich im engeren Sinne auf gesellschaftkritische Anklagedramatik und das Mitleidsdrama des Naturalismus. Das stimmt so.

Theo Elm zufolge schließe der Begriff "die Werke der Stürmer und Dränger, die Dramen von Lenz, Wagner, dem jungen Schiller und ebenso die von Büchner, Hebbel und Anzengruber und vor allem Hauptmann […,] Wedekind, Kasier, Sternheim, Ödön von Horváth, Marieluise Fließer, Fassbinder, Sperr, Kroetz, Kerstin Specht und Werner Schwab, Wolfgang Bauer und Peter Turin"[1] ein.

Kriterien Bearbeiten

Die in diesem Artikel aufgeführten Kriterien leiten sich vor allem von Theo Elms[2] Analyse ab.

Begrifflichkeit Bearbeiten

Die Doppeldeutung des Adjektivs sozial treffe auch auf das Soziale Drama zu.

Das Adjektiv impliziere einerseits Begriffe wie "gemeinnützig", anderseits Wortfelder die mit dem Adjektiv "gesellschaftlich" zusammengefasst werden können.

Die Handlung eines Sozialen Dramas sei "gesellschaftlich begründet"[3].

Weder ein Chor noch der Dialog der Figuren allein bestimme nun die Kommunikationsform des sozialen Dramas:



"das Schicksal der Figuren hängt nicht mehr von der Alleinherrschaft des Dialoges ab."[4]


Die sich auflösende Ständeordnung wirke sich auf die Kommunikationsform in Form von

  • Wortlosigkeiten
  • Verstummungen
  • Monologen

aus.

"Die Gefährdung des Dialoges" verdeutliche, dass "[i]m Sozialen Drama […] nicht jeder seines Glückes Schmied"[5] sei.

Ferner seien die Hauptfiguren eines Sozialen Dramas häufig Bedürftige. Insofern appelliere das Sozialen Drama an die Wohltätigkeit gegenüber sozial Benachteiligten.

Zusammenfassend nennt Elm zwei Hypothesen das Sozialen Dramas betreffend:

  1. die Figuren handeln nicht autonom, nicht selbstbestimmt. Vielmehr ist ihr Handeln von der Gesellschaft bestimmt.
  2. Figuren nicht aus der "Upperclass"

Bühne als Ort des Sozialen Bearbeiten

"Der Ort des Sozialen ist die Bühne"[6], da

  • der Held des Bildungs- und Entwicklungsroman aus typischerweise dem Bildungsbürgertum entspringt
  • der Entwicklungsroman ("Männer-Prosa"[7]) vor allem die "bedrückende Sozialgeschichte der Frau"[8] außer acht ließe
  • die Bühne ein öffentlicher Raum sei
  • die Bühne eine "begrenzter Wirklichkeitsraum"[9] darstelle

Formelemente Bearbeiten

Problematisierung des Dialogs Bearbeiten

Eine wichtige Formeigenschaft des 'Sozialen Dramas ist die "Problematisierung des Dialogs"[10]:

  • bei Hauptmann vermitteln Kulisse und Regie Orientierung: "die Regieanweisung als Kompensation gestörter Sprachhandlung"[11]
  • bei Kroetz
    • werden dialogische Pausen nicht auf diese Weise kompensiert: "Die Sprache funktioniert bei diesen Figuren nicht."[12]
    • "dialogische Kargheit"[13]
    • "larkonische Kürze der Regieanweisung"[14]
    • Bühnengestaltung aus "Versatzstücken"[15]
    • Reduktion der Sprache auf Schweigen, Phrasen, Redensarten

Verfremdungen Bearbeiten

"Als Karrikaturen verfremdet demonstrieren sie [die Figuren] die soziale Entfremdung des Menschen."[16]

Außerdem habe das Soziale Drama einen Hang zur Groteske. "Meister der Groteske sind Horváth, Wedekind, Büchner, und Lenz."[17]

Die Parodie entstehe ferner aus "dem Konflikt von tradierter Form und neuem unangemessenen Inhalt"[18]. Beispielhaft sie die Walzermusik in Horváths Geschichten aus dem Wiener Wald, welche häufig eine besonders perfide Aussage einer Figur begleite.

Realismus Bearbeiten

Charakeristisch für das Soziale Drama sei die Gestaltung einer "auslegungsoffenen Wirklichkeit"[19] als Gegensatz zum Idealismus.

Büchners Realismus sei vor allem durch Potentialität ("Leben als Summe von Möglichkeiten") gekennzeichnet.[20] Dies habe die "Abkehr von der Lehrpoetik"[21] zur Folge gehabt.

Die "stilisierte Bühnen- und Kunstssprache"[22] etwa von Schiller oder Lessing finde keine Anwendung mehr. Dies habe "Fragmentarik, Vielheit und Mannigfaltikgkeit" als auch "rezeptionsästhetische Leerstellein im Text" als "Zeichen einer offenen Dramatik"[23] zur Folge. Zudem sein eine "Aufbrechung der Aktstruktur zugunsten der Episodenreihung"[24] zu beobachten.

Diese Art des Realismus mit seiner Vorliebe "für den offenen, geborchenen und vestummenden Dialog"[25] liefere auch die Grundlage für das Funktionieren der Formelemente der Verfremdung.

Quellen Bearbeiten

  1. Theo Elm, Das soziale Drama. 2004. Reclam Universalbibliothek, Stuttgart. Hervorhebung vom Artikelautor
  2. Ebenda. S 11-43
  3. Ebenda, S. 11
  4. Ebenda, S. 12
  5. Ebenda, S. 12. Hervorhebung vom Artikelautor
  6. Ebenda. S. 17
  7. Ebenda. S. 18
  8. Ebenda
  9. Ebenda. S. 19
  10. Ebenda, S. 25
  11. Ebenda, S. 23
  12. Ebenda, S. 24
  13. Ebenda
  14. Ebenda
  15. Ebenda, S. 25
  16. Ebenda, S. 26. Hervorhebung vom Artikelautor
  17. Ebenda, S. 27
  18. Ebenda, S. 28
  19. Ebenda. S. 31
  20. Ebenda. S. 33
  21. Ebenda
  22. Ebenda. S. 34
  23. Ebenda. S. 35
  24. Ebenda
  25. Ebenda. S. 37


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